„Latino“ - Lebensfreude Lateinamerikas weckt Begeisterung

160 Chorsänger, eine Combo Latina und Solisten beim Sommerkonzert der Walther-Rathenau-Schulen

Ein farbenfrohes Bild bieten die bunt gekleideten Chorschüler, die vor schwarzem Bühnenhintergrund anfangs noch etwas zaghaft beginnen eine Bearbeitung des „Ave Maria“ in lateinamerikanischem Stil zu singen – klare, helle Kinder- und Jugendstimmen - ein berührender Einstieg! Dabei werden sie von Gesangssolisten, Instrumenten und einer stimmungsvollen Lichtchoreografie begleitet. Thema des ersten Konzert-Teils war „die Trauer, der Ruf nach Menschlichkeit und die Auseinandersetzung mit den Diktaturen Südamerikas“, wie der moderierende Chorleiter erläuterte. Hier erklangen vor allem Passagen aus der „Misa Criolla“ des argentinischen Komponisten Ariel Ramirez, subtil bearbeitet als Dialog zwischen Chorklassen und Solisten, begleitet vom Klavier.

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Wie schon in den vorjährigen Konzerten bildete auch in diesem Jahr ein Kontinent den thematischen Bezugspunkt der Veranstaltung: dieses Jahr war es Süd - und Mittelamerika. Leider fand die Aufführung wegen der Wetterlage wieder nicht als „Open Air“ statt, doch konnte Schulleiter Ulrich Wittmann in der ausverkauften Georg-Wichtermann-Halle viele interessierte Zuhörer begrüßen, besonders auch Bürgermeisterin Sorya Lippert und Schulreferent Jürgen Montag.

Die Idee hinter diesen Konzerten ist die Begegnung von Schülern mit professionellen Sängern und Instrumentalisten und ihre Zusammenarbeit in einem durchaus anspruchsvollen Sommerkonzert. Die Chorklassen sind Schüler der fünften und sechsten Jahrgangsstufen, deren Musikunterricht ausschließlich in Form von Chorarbeit stattfindet und die von Chorleiter Oliver Kunkel im Laufe des Schuljahres durch regelmäßige und kindgerechte Stimmbildung zu recht exakt agierenden Stimmgruppen geformt werden. Mit von der Partie sind die Arbeitsgemeinschaft der ehemaligen Chorschüler und Sänger der Oberstufe. Die Musikprofis waren in diesem Jahr der mexikanische Bariton Omar Garrido, die Sopranistin und Perkussionistin Serena Hardt, eine „Combo Latina“ bestehend aus Bandonion, Bass, Saxophon und Klavier. Verbunden wurden die einzelnen Darbietungen des Abends durch kurze Kompositionen verschiedener Abiturienten aus dem Oberstufenkurs Musik, die zum Teil mit durchaus spannender Rhythmik und Melodieführung überraschten.

Nach der Pause begann der fröhlich mitreißende Teil der Veranstaltung, er war der heiteren Lebensfreude Lateinamerikas gewidmet, dem Liebeslied und dem Tango:

„Chan Chan“, der Welthit des kubanischen Musikers Compey Segundo aus dem Album „Buena Vista Social Club“ leitete diesen Teil ein und wurde vom Chor nicht nur in seiner rhythmischen Komplexität, sondern auch szenisch mit Gestik und Mimik sehr mitreißend gestaltet - natürlich in spanischer Sprache. Compey Segundo erzählte über die Entstehung des Werkes: „Ich habe Chan Chan nicht komponiert, ich habe es geträumt. Eines Tages wachte ich auf und hörte diese vier gefühlvollen Noten, ich gab ihnen einen Text, der von einer Geschichte aus meiner Kindheit, Juanica und Chan Chan, inspiriert war und sie sehen, jetzt wird es überall gesungen“ - auch in Schweinfurt.

Es folgte das Lied „Havana“, die Homage der kubanischen-amerikanischen Sängerin Camilla Cabella an ihre Heimatstadt. Anschließend hatte Bariton Omar Garrida mit dem mexikanischen Liebeslied „Besame mucho“ einen Solopart, den er mit kraftvoller und auch melancholischer Stimme umsetzte.

Libertango, die Komposition des argentinischen Komponisten Astor Piazolla, wurde zum Höhepunkt der Veranstaltung. Charakteristisch für den Tango, die Solopassagen des Bandonions, die Dialoge zwischen Combo, Gitarre, wie auch der mehrstimmig, sehr exakt, ja schmissig intonierte Chorgesang, Lichteffekte, Nebelschwaden auf der Bühne und ein wunderbarer Klang der Singstimmen!

Ende: eine spannende und zügig getaktete Veranstaltung von zwei Stunden mit einer Pause. Das Publikum bekundete seine Begeisterung mit anhaltendem Applaus und erklatschte sich als Zugabe, eine Einstudierung für das gerade vergangene Landesturnfest unter dem Titel „Die Reckstange“, eine humorvolle, rhythmisch- szenische Persiflage über das bekannte Turngerät, allerdings ohne „Latino“-Charakter, aber für Chor wie Publikum sehr animierend.

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Dieser Abend, ebenso wie die am folgenden Tag in der Tuchangerhalle in Zeil vor schulfremdem Publikum begeistert aufgenommene zweite Aufführung, gaben auch in diesem Jahr ein eindrucksvolles Beispiel der kreativen, eigenständigen und qualitativ hochwertigen schulmusikalischen Arbeit von Oliver Kunkel an den Rathenau-Schulen – Bravo!

Text: Johannes Stöber; Bilder: Dieter Riek