China: Land der Superlative - ein Reisebericht

"Bitte bringen Sie ihre Sitze in eine aufrechte Lage und klappen sie ihre Tische zurück, da wir jetzt zur Landung ansetzen." Und kurz danach waren wir auch schon in Shanghai gelandet. Elf Stunden waren wortwörtlich wie im Flug vergangen. Und jetzt standen wir, das heißt ca. 30 Schüler der Walther-Rathenau-Schulen Schweinfurt und der Realschule Hassfurt, mitten auf dem Flughafen Shanghai Pu Dong. China: Natürlich hatten wir alle schon mehr oder weniger realistische Vorstellungen von diesem fremden Land und davon, was uns in den folgenden zwei Wochen erwarten würde, aber wie es in der Volksrepublik China wirklich aussah, das wusste keiner von uns. Unser Plan war folgender: Wir würden eine Woche in Hangzhou bei chinesischen Gastfamilien leben (Und auch viel erleben!) und mit unseren Austauschpartnern die Greentown-Highschool, die Partnerschule des WRG, besuchen. Die andere Woche würden wir Städte wie Peking und Shanghai besichtigen. Das war geplant.

Aber nun alles der Reihe nach. Nach weiteren zwei Stunden Busfahrt kamen wir in Hangzhou an, wo wir auch schon freudig und gespannt von unseren Austauschpartnern erwartet und sehr herzlich begrüßt wurden. Sehr herzlich, das hieß in unserem Fall mit grünem Tee und rotem Teppich, an dessen Rand Mädchen in landestypischen Gewändern standen und uns zulächelten. Von da an ging alles dann ganz schnell; wir und unsere Koffer fuhren mit unseren Partnern "nach Hause", wo auch schon ein Berg an chinesischem Essen und der gespannte Rest der Familie auf uns wartete. Danach hieß es essen, Koffer auspacken, Gastgeschenke überreichen und dann, nach nun mittlerweile fast 28 Stunden endlich den in den letzten Stunden etwas zu kurz gekommenen Schlaf nachholen. Doch wer von uns gehofft hatte, ausschlafen zu können wurde am nächsten Morgen enttäuscht. Die Schule beginnt in China nämlich statt wie bei uns um 8 um 7 Uhr. Doch das war nicht der einzige Unterschied zwischen einer deutschen und einer chinesischen Schule, wie wir schnell feststellten. Die Schuluniform ist hier noch Pflicht, alle Schüler müssen jeden Morgen drei Runden um den Sportplatz joggen. Das entspricht immerhin 2,4 km! Außerdem muss man aufstehen, wenn man etwas sagen möchte. Unterrichtsschluss ist auch nicht wie bei uns um 13 bzw. 15 Uhr, sondern um 16:45 Uhr. Schüler die AG's besuchen haben sogar bis 20:30 Uhr Unterricht. Jedoch wohnen viele Schüler auch auf dem Schulgelände, in eigens für sie gebauten Appartments. Die Schule ist riesig, es gibt hier einfach alles, angefangen bei einer Krankenstation bis hin zu einer eigenen Mensa. Und da wären wir ja auch schon beim nächsten Thema: dem Essen.

Dass Chinesen mit Stäbchen essen, ist ja allegemein bekannt, aber dass man dort auch Quallen oder Krebsgehirne isst, glaubt man erst, wenn man wirklich davor sitzt. Sachen wie gebratene Hühnerfüße standen auf unserer Liste der außergewöhnlichen Delikatessen ganz weit oben. Auch wenn es sich jetzt für manchen ziemlich schräg anhört, muss man sagen, dass "außergewöhnlich" nicht gleich "nicht lecker" bedeutet. Oft musste man sich einfach nur einmal trauen, etwas zu probieren, um dann feststellen zu können, dass das "etwas", das man da gerade gegessen hat, eigentlich gar nicht so schlecht schmeckt. In China gibt es einfach alles. Und das nicht nur beim Essen. Eigentlich denkt man ja gleich an die USA, wenn man vom "Land der Superlative" redet. Jedoch könnte man diesen Ausdruck genauso gut auf China übertragen. Denn dort sind die Straßen der Städte nicht ein- sondern vierspurig, die Häuser nicht zehn sondern 20-30 Stockwerke hoch und insgesamt wird die Bevölkerung statt wie in Deutschland auf 82 Millionen auf ca. 1,34 Milliarden geschätzt. So ist Hangzhou mit circa sieben Millionen Einwohnern eine Kleinstadt.

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Unser Aufenthalt war nie langweilig, da wir immer ein volles Programm hatten. In der Schule fand in der Woche, in der wir da waren, gerade das "International Culture Festival" statt, zu welchem Schulen aus der ganzen Welt eingeladen waren. So machten wir Bekanntschaften mit Indern, Koreanern und Singapurianern. Es standen Sportwettkämpfe auf dem Programm aber auch andere Aktivitäten wie zum Beispiel ein Taekwondo Kurs oder eine Talentshow. Die Abende verbrachten wir in unseren Gastfamilien, die mit uns ins Kino gingen oder uns die Stadt zeigten, bevor es früh um sieben Uhr wieder in die Schule ging. Es waren sehr interessante Tage in denen wir viele (internationale) Freundschaften schlossen und nebenbei auch ein paar Brocken Chinesisch lernten. Doch nach einer Woche hieß es dann auch schon wieder Zàijiàn (Tschüss) zu den Gastfamilien zu sagen und mit Ni Hao (Hallo) den Rest von China zu begrüßen!

Auf dem Weg nach Shanghai machten wir noch einen Tag Halt in Souzhou, wo wir einen chinesischen Garten besuchten und einige von uns im Seidenmuseum zum ersten Mal hörten, dass Seide aus dem Kokon der Seidenraupe gewonnen wird. Nach einer Nacht im Hotel fuhren wir früh los, um so bald wie möglich in Chinas größter Stadt anzukommen: Shanghai; 23 Millionen Einwohner. Eine Stadt der Moderne. Und wir mittendrin! Leider hatten wir in diesen Tagen ein bisschen Pech mit dem Wetter, denn es regnete andauernd. Das war jedoch kein großes Problem, denn plötzlich tauchten an jeder Ecke geschäftstüchtige Chinesen auf, die uns für umgerechnet 1 € Regenschirme verkauften. Trotzdem waren wir froh, wenn wir im Trockenen waren, sei es um das Shanghaimuseum oder das Perlenmuseum zu besichtigen. Beide haben viel zu bieten, das Shanghai Museum ist riesig, es ist das viertgrößte in ganz China. Im Perlenmuseum wiederum kauften bereits Promis wie Prince Charles ein. Wenn man sich im Nachhin die Fotos noch einmal anschaut, sieht man auf fast jedem Bild der Stadt im Prinzip das Gleiche: Hochhäuser, wohin man auch schaut. Und dazwischen der alltägliche Stau und die Chinesen auf ihren (Elektro)fahrrädern. Trotzdem kamen viele von uns mit "I ♥ Shanghai"-T-Shirts in Deutschland an. Was genau die meisten von uns an dieser Stadt fasziniert hat? Vielleicht waren es eben doch die Massen von Leuten und die hochmodernen Gebäude, deren Spitzen in den Wolken verschwanden. So etwas findet man bei uns in Europa kaum. Nach drei Tagen hatten wir uns dann aber doch "sattgesehen" und fuhren Richtung Peking. Genauer gesagt nahmen wir den Nachtzug, und kamen so 15 Stunden später mehr oder weniger ausgeschlafen in Beijing, der Hauptstadt Chinas, an.

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Von dort aus ging es auch gleich ohne Dusche oder Frühstück weiter zum Platz des Himmlischen Friedens, dem größten Platz der Welt und weiter in die Verbotene Stadt, dem ehemaligen Kaiserpalast der Ming und Qing Dynastien. Wir hatten auf unserer Reise immer eine deutschsprachige Führerin dabei, womit Sprachprobleme gar nicht erst entstanden. Peking ist, was die Einwohnerzahl anbelangt, kleiner als Shanghai (Obwohl "klein" bei ca. 18 Millionen Einwohnern wohl etwas untertrieben ist!) und auch lange nicht so eindrucksvoll. Es ist nicht so modern wie Shanghai, zwar gibt es auch hier Hochhäuser, aber die sind nun eben meistens nicht nur aus Glas und Stahl sondern einfach nur aus Beton. Es ist eine Stadt, die zwar nicht so modern ist, aber dafür viele alte Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. In Shanghai fotografierten wir uns vor der Skyline der Stadt, in Peking hingegen entstanden Fotos vor dem Himmelstempel. Was nicht heißen soll, dass es in Beijing nicht schön war! Obwohl es durch die recht nörtliche Lage spürbar kälter und der Himmel grauer war, gab es viele Dinge zu sehen, die wir bisher eigentlich nur aus Reiseführern kannten, wie zum Beispiel buddhistische Tempel, reich verzierte Pavillons oder die Stadien der Olympischen Spiele, welche 2008 in Peking stattfanden. So verbrachten wir unsere letzten Tage in China, doch alles hat ein Ende, sodass wir am 7.11.2011 schweren Herzens (Und mit mindestens genauso schweren Koffers!!) unsere letzte Busfahrt zum Flughafen antraten. Und dann waren unsere zwei Wochen in China auch fast schon wieder vorbei. Leider - wie doch so oft - viel zu schnell. Das einzige, was uns noch blieb, war der Rückflug. Doch auch der war rasch vorbei und schon waren wir wieder genau da, wo wir vor 16 Tagen voller Erwartungen, Spannung und bei manch einem sicher auch etwas Angst losgefahren waren. Schweinfurt. 53.000 Einwohner? Das war ja wohl ein Witz!? Doch ein kleiner Trost blieb uns, denn im Mai 2012 werden unsere chinesischen Austauschpartner nach Deutschland kommen und ebenfalls eine Woche bei uns wohnen.

Wir haben in den zwei Wochen sehr viel erlebt und gelernt und ich meine, wir können froh sein, diese Möglichkeit geboten bekommen zu haben. Hiermit geht noch einmal ein Dank an die Schulleitung des WRG, welche den Austausch Jahr für Jahr ermöglicht. XieXie (Vielen Dank), wir hatten eine unvergessliche Zeit!

Clara Carl, G10a